Was man von hier aus sehen kann

nach dem gleichnamigen Roman von Mariana Leky

Eine berührend schöne Geschichte über Liebe, Sehnsucht, Freundschaft und Hoffnung, in der Mystisches und Alltägliches keine Gegensätze bilden: Alles und alle hängen hier auf wundersame Weise zusammen.

Luises Großmutter kann den Tod voraussehen, beziehungsweise vorausträumen. Sobald in ihrem Traum ein Okapi erscheint, wird im Laufe des nächsten Tages jemand aus dem kleinen Dorf im Westerwald sterben. Unklar ist, wen es treffen wird. Nach Selmas jüngstem Okapi-Traum herrscht Aufregung im Dorf. Ein Theaterstück über Liebe, die immer die ungünstigsten Bedingungen zu wählen scheint. Für Luise zum Beispiel gilt es viele tausend Kilometer zu überbrücken. Denn der, den sie liebt, ist zum Buddhismus konvertiert und lebt in einem Kloster in Japan.

Eine märchenhafte Erzählung in einer Zwei-Personen-Inszenierung von Florentina Tautu.

"Ein beeindruckender Abend, der sich mit viel Liebe zum Detail, einem eindringlichen Darsteller-Duo und einer gehörigen Portion Tiefgang, Scharfsinn und pointiertem Humor auf kleinstem Raum als großes Theater entfaltet."
Münchner Merkur
"Florentina Tautu hat mit leichter Zauberhand ein poetisches Märchen inszeniert."
Donaukurier
"Ein Bestseller-Roman und zwei tolle Darsteller: Mit „Was man von hier aus sehen kann“ läuft eine wohlig-schöne Inszenierung im Theater Spagat in München."
Süddeutsche Zeitung
"Mehr als sehenswert".
Der Musikjournalist
mit Miriam Haltmeier, Paul Langemann
Regie, Theaterfassung, Kostüm Florentina Tautu
Produktionsleitung, Outside Eye Stephanie Tschunko
Bühne, Video Art Janik Valler
Lichtdesign Philipp Kolb
Soundexperimente Greulix Schrank
Technik Moritz Haase
Regieassistenz Pauline Mainzer
Produktionsassistenz Lilly Helmel
Presse Barbara Fleischmann

Eine Spagat-Produktion, gefördert durch das Kulturreferat München.

© Mariana Leky und Aufführungsrechte bei Felix Bloch Erben GmbH & Co. KG, Berlin im Auftrag für Graf & Graf GmbH


„Was man von hier aus sehen kann“ am Münchner Spagat Theater / Kritik von Barbara Reitter-Welter / 16.03.2026 / Donaukurier

Ein Okapi bedeutet Abschied

München – Ein Tier mit Namen Okapi – wer denkt da nicht gleich an den bayerischen Wolpertinger, den es lediglich in der Fantasie gibt. Auch das Okapi wirkt wie ein Kunstprodukt: auch Kurzhalsgiraffe genannt, hat es Zebra-Beine, einen dicken Hals, zwei stumpfe Hörner und eine Zunge wie ein Chamäleon. Wie also kommt eine Oma aus dem Westerwald dazu, von solch einem Viech zu träumen? Doch immer, wenn dies der Fall ist, stirbt innerhalb der nächsten 24 Stunden ein Mitglied der verschworenen Dorfgemeinschaft – erwartbar, dennoch unerklärbar. Schon dreimal konnte Selma in Mariana Lekys Roman „Was man von hier aus sehen kann“ den Tod voraussehen; der vierte aber trifft nach dem Überschreiten der Frist, als alle schon aufgeatmet haben, den Freund ihrer Enkelin Luise – Martin.

Der überaus populäre, 2017 erschienene Bestseller wurde nicht nur erfolgreich verfilmt, jetzt kann man im Spagat Theater sogar eine Bühnenfassung sehen. Florentina Tautu, so etwas wie Hausregisseurin an dem von Jutta Speidel gegründeten kleinen Theater im Münchner Norden, hat nicht nur eine schlüssig verknappte Textfassung für zwei Schauspielende erstellt; sie hat mit leichter Zauberhand ein poetisches Märchen inszeniert, und ist zudem verantwortlich für die Kostüme. Die hängen an Metzger-Haken an einer Bühnenwand: bunte Bomberjacken für die Youngsters, Morgenmäntel für die älteren Damen Selma, die kluge Großmutter mit dem weiten Herzen, aber bösen Albträumen, und die esoterische Elsbeth, ein weißer Kittel für den Optiker, ein priesterlicher Umhang für den jungen Mönch bei der Geh-Meditation und so fort. Requisiten, die sich besonders Paul Langemann blitzschnell überstreift, wenn er in eine andere Rolle schlüpft. Dieses Panoptikum skurriler, doch liebenswerter Dörfler blitzt oft nur durch einen anderen Gesichtsausdruck, eine besondere Körperhaltung oder individuellen Sprachduktus auf. Wirklich toll, wie rasant dieser Darsteller es schafft, alle Figuren plastisch zu skizzieren, ohne je in die Karikatur abzugleiten.

Florentina Tautu hat Mariana Lekys anrührende Story von Kitsch und Pathos befreit, dafür aber besonders deren kreativen Sprachwitz zum Funkeln gebracht. Die Protagonisten gehen übergangslos von Szene zu Szene und erzählen, en face ans Publikum gewendet so, als befänden sie sich in einem Dialog. Miriam Haltmeier (als Schauspielerin wie als Musikerin expressiv) sorgt für kleine Bruchstellen der manchmal traurigen Handlung, indem sie fein dosiert szenische Komik setzt.

Vieles in der Aufführung bleibt subtile Andeutung und bewusste Leerstelle, was die Imagination der Zuschauer stimuliert. Das gilt auch für das minimalistische Bühnenarrangement: Hinter einer (leider zu wenig genutzten) Klang Installation, einer Art modernes Glockenspiel, markiert eine alte Holztür die Grenze zwischen Innen und Außen, während in das Spielpodest eine Vertiefung geschnitten wurde. Dorthin flüchten die zehnjährige Ich-Erzählerin Luise und ihr Freund Martin immer dann, wenn die Gefühle sie übermannen – und retten sich in coole, elektronisch verfremdete Songs, die existentielle Fragen stellen wie der Rap „How did I get here?“ oder das Lyrical „Where does this highway go?“ Dieser Highway führt immer wieder zum Tod, denn die Pole des Stücks, das den dritten Romanteil auslässt und mit der Liebe der 22-Jährigen zum buddhistischen Mönch Frederik endet, heißen Liebe und Tod.


Theater-Premiere in München: „Was man von hier aus sehen kann“ / Kritik von Yvonne Poppek / 17.03.2026 / Süddeutsche Zeitung

Verblüffend wie ein Okapi

Ein Bestseller-Roman und zwei tolle Darsteller: Mit „Was man von hier aus sehen kann“ läuft eine wohlig-schöne Inszenierung im Theater Spagat in München.

„Das Okapi ist schon ein abwegiges Tier“, heißt es ziemlich am Anfang dieses zauberhaften Abends im Theater Spagat. „Viel abwegiger als der Tod, und es sieht vollkommen zusammenhangslos aus mit seinen Zebraunterschenkeln, seinen Tapirhüften, seinem giraffenhaft geformten rostroten Leib, seinen Rehaugen und Mausohren.“ Das Okapi ist allerdings auch ein unheilvolles Zeichen auf der Bühne. Immer wenn Selma von einem Okapi träumt, stirbt jemand innerhalb von 24 Stunden im Dorf. Und wie soll es anders sein: Selma hat wieder eines gesehen.

2017 erschien der Bestseller-Roman „Was man von hier aus sehen kann“ von Mariana Leky. Darin erzählt Hauptfigur Luise von ihrem Dorf und ihrer Großmutter Selma. Die Ortschaft im Westerwald ist bevölkert mit unkonventionellem Personal, allen voran die forsche Selma, die angehimmelt wird von einer Figur, die der Optiker heißt. Selma ist die wichtigste Person für ihre Enkeltochter Luise, deren Eltern mit einer Weltreise (Vater) oder mit einem Blumenladen und einer Liebesbeziehung (Mutter) beschäftigt sind.

(...Spoiler entfernt). Lekys Dorf-, Familien- und Liebesgeschichte schlägt einen humorvollen Ton an, ist gelegentlich auch ziemlich herzerwärmend und lieblich. 2022 wurde der Roman von Aron Lehmann fürs Kino adaptiert, mit Corinna Harfouch als Selma. Nun hat Florentina Tautu eine sehenswerte, geschickt komprimierte, sehr gelenkige, lustig-traurige Inszenierung für einen Schauspieler und eine Schauspielerin aus der Romanvorlage entwickelt. Und obwohl es viel ums Sterben geht, fühlen sich die etwas mehr als anderthalb Stunden so wohlig an, wie ein Couch-Abend mit Kuscheldecke. Nur besser, gibt es doch das Live-Erlebnis dazu.

Tautu und Bühnenbildner Janik Valler setzen auf sparsamen Mitteleinsatz. Ein paar Jacken und Kittel gibt es für die Rollenwechsel, eine Ecksitzbank, einen Telefonhörer, eine Tür. Umso mehr macht die Sound-Erfindung von Greulix Schrank her, die mit Klangstäben, minimalem Schlagwerk, Looper und Metallsaiten bestechend schlicht, aber effektvoll zum Einsatz kommt.

Das Zentrum bilden allerdings Miriam Haltmeier und Paul Langemann, zwei tolle Spieler mit Charme, Witz und Wandlungsfähigkeit. Ihnen schaut man einfach gerne zu, Haltmeier überwiegend als Luise, Langemann als Selma, Optiker, Vater, Mutter, Martin, Frederik und wer sonst noch auftaucht. Sie sind Erzähler, Figuren, Kommentatoren und Musiker in einem. Und obwohl Text und Bühnenmittel reduziert sind, lassen die beiden ein ganzes Dorf entstehen. Was wiederum so verblüffend, ja so abwegig ist wie ein Okapi.


Das Münchner Spagat Theater zeigt den beeindruckenden Abend „Was man von hier aus sehen kann·" / Kritik von Anna Beke / 17.03.2026 / Münchner Merkur

An der Schwingtür zum Jenseits

Du verwechselst da was, Luise. Das ist nicht der Tod, das ist die Liebe", heißt es in einer der Kernaussagen, die sich zuhauf in "Was man von hier aus sehen kann" finden - einer Produktion, die auf Mariana Lekys gleichnamigem Spiegel-Bestseller beruht und einmal mehr nahelegt, dass man dem Spagat Theater im Münchner Norden häufiger einen Besuch abstatten sollte. Dieses rund 90-minütige Stück, in dem die großartigen Schauspieler Miriam Haltmeier und Paul Langemann eine gesamte raum- und zeitlose Dorfgemeinschaft zu zweit verkörpern und das Publikum in diese tief hineinziehen, hat es in sich und schreibt sich einem in die Seele.

Schon der Titel weist auf die Multiperspektive hin, auf die man hier - und im täglichen Dasein - trifft: Immer schwingt der Tod im Leben mit, ist sein ständiger Begleiter und mit ihm die einzige Gewissheit im menschlichen Sein. Es ist eine kuriose und recht komplexe Handlung, die auf der u-förmigen Tribüne von den beiden überraschend klar und einleuchtend erzählt wird - trotz des eigentlich geforderten großen Personals. Doch die Regie von Florentina Tautu lässt auch dort einen roten Faden erkennen, wo man sich verheddern könnte: in den mannigfachen Zwischenebenen und Facetten der Inszenierung.

Dreh- und Angelpunkt ist das wohl "komischste Tier unseres Planeten", das Okapi. Sobald es Luises Großmutter im Traum erscheint, kündigt es den Tod eines Dorfbewohners an. Eine seltsame Verbindung existiert zwischen Selma und dieser Kreatur aus dem Ituri-Regenwald, da die beiden niemald gemeinsam in einer Welt existieren können: der ungewissen Welt hier und der noch ungewisseren, die nach dem Tod beginnt. Fast wie eine Schwingtür zwischen zwischen Diesseits und Jenseits fungiert dieses Okapi - ganz wie die im Bühnenbild verankerte Tür-Montage, die auf simple und kluge Weise Innen- und Außenwelt des Dorfes wie auch der Dorfbewohner definiert.

Es ist ein beeindruckender Abend, der sich mit viel Liebe zum Detail, einem eindringlichen Darsteller-Duo und einer gehörigen Portion Tiefgang, Scharfsinn und pointiertem Humor auf kleinstem Raum als großes Theater entfaltet. Dabei werden existenzielle Fragen unseres Menschseins aufgerollt, zahllose Denkanstöße gegeben, ohne zu überfrachten. Ein Stück, das einen wieder in die eigene Gegenwart zurückkatapultiert und dankbar sein lässt für so viel Leben im Leben - "wenn man es nur hineinlässt".


Das Unterstützer*innen Ticket:

Theaterproduktionen und partizipative Projekte auf die Beine zu stellen, kostet nicht nur Zeit und Fleiß. Das Spagat wird vorrangig durch private Stifter und Geldgeber finanziert, denen wir hier von ganzem Herzen danken. Um dieses Angebot auch weiterhin aufrecht erhalten zu können, benötigen wir Ihre Hilfe. Nutzen Sie dafür unser „Unterstützer*innen-Ticket“ zum Preis von 30€.

Plakatbilder: Gunnar Hämmerle
Szenenbilder: Severin Vogl, Florentina Tautu
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